Wenn man die INCI-Listen der Kosmetikprodukte liest kommt man sich oft vor wie ein Analphabet – und das ist oftmals Absicht, denn auf diesem Wege lassen sich Problemstoffe hervorragend verschleiern. Doch im heutigen Beitrag zeige ich dir wie auch du Problemstoffe in der Kosmetik ganz einfach identifizieren kannst!

Problemstoffe in der Kosmetik

10.000 Inhaltsstoffe – 2/3 davon enthalten Problemstoffe!

Wusstest du, dass in der EU ca. 10.000 kosmetische Inhaltsstoffe zugelassen sind? Und das davon ca. 1/3 hormonell wirksam sind und 2/3 Problemstoffe enthalten?

Und wenn du jetzt hochrechnest, dass Frauen im Durchschnitt 10 Pflegeprodukte pro Tag verwenden (wie zum Beispiel Deo, Shampoo, Conditioner, Lippenbalsam, Gesichtswasser, Creme, Duschgel, Handcreme,…) und jedes dieser Produkte ca. 20 – 50 verschiedene Inhaltsstoffe enthält, dann wirst du schnell bemerken, dass sich die Anzahl der Inhaltsstoffe kumuliert.

Wenn wir also davon ausgehen, dass du pro Tag mit über hundert verschiedenen Inhaltsstoffen in Berührung kommst und 2/3 davon Problemstoffe sind, dann gibt einem das wirklich zu denken, oder?

Hinweis: Diese Zahlen beziehen sich auf konventionelle Kosmetik, Naturkosmetik schneidet durchaus besser ab, ist aber auch nicht immer frei von jeglichen Problemstoffen!

Die wichtigsten Problemstoffe in der Kosmetik:

Nachfolgend habe ich dir die wichtigsten Problemstoffe in der Kosmetik aufgeführt und zeige dir, an welchen Worten oder Endungen du sie erkennen kannst. Sei dir aber bitte bewusst, dass diese Problemstoffe nur der Gipfel eines sehr großen Eisberges sind, denn alle Problemstoffe in der Kosmetik hier aufzuzählen würde tatsächlich den Rahmen sprengen.

Aluminiumverbindungen

Die Aluminiumverbindungen sind die am häufigsten eingesetzten Wirkstoffe in Deos und Antitranspirantien.

Vorteile: Sie verhindern die Schweißabsonderung durch Verengung der Schweißdrüsen.

Nachteile: Aufgrund von in Studien nachgewiesenen hormonwirksamen, neurotoxischen und tumorbeeinflussenden Wirkung kann ein Gesundheitsrisiko bestehen.

Erkennung: Am Wortstamm „Aluminium“ oder an den Abkürzungen ACH (Aluminiumchlorohydrate) oder ZAG (Aluminium-Zirkonium-Verbindungen).

Synthetische Duftstoffe

Künstliche Duftstoffe finden in fast allen Kosmetikprodukten ihre Anwendung, da sie der Erhöhung der Verkaufswirksamkeit dienen „Es duftet so gut“. Denn für viele Menschen gehen Kosmetikprodukte über den Duft und erst zweitrangig über das Hautgefühl.

Vorteile: Sie dienen der Beduftung der Produkte.

Nachteile: Synthetische Duftstoffe sind potenzielle Allergene, können Rötungen, Atemnot, Reizung der Schleimhäute, Juckreiz, Asthma oder Kopfschmerzen auslösen.

Erkennung: Die Erkennung von synthetischen Duftstoffen auf den ICNI Listen ist jedoch sehr schwer, da nur die 26 häufigsten potenziellen Allergene – die auch in naturreinen ätherischen Ölen vorkommen – gekennzeichnet werden müssen. Die bekanntesten synthetischen Duftstoffe sind Linalool und Limonene.

Mineralöle

Erdölderivate werden intensiv in der Kosmetik-Industrie als Grundsubstanzen verwendet. Dies trifft jedoch nicht nur günstige, sondern zum Teil auch sehr teure Kosmetikprodukte.

Vorteil: Eignen sich hervorragend als Deckstoffe zB bei Verbrennungen, wenn die darunterliegende Haut geschützt werden muss.

Nachteile: Erdölderivate überziehen die Haut wie Klarsichtfolie und lassen nichts mehr durch – die Haut kann nicht mehr atmen und können zu einer Pflegeabhängigkeit (zB von einer bekannten Lippenpflege-Marke) führen, obwohl sie selbst nicht pflegend wirken. Dadurch trocknet die Haut immer mehr aus und der Zustand verschlechtert sich immer mehr.

Besonders Problematisch sind MOAH-, MOSH- und POSH-Verbindungen, da sich diese in den Organen ablagern können.

Erkennung: Paraffine, Vaseline

Mineralöle
Erdölderivate sind gefährlich für Umwelt und Körper

Polythylenglykole (PEG)

PEGs werden als waschaktive Substanzen, Emulgatoren, Weichmacher oder Befeuchter in praktisch allen Kosmetikproduktgruppen eingesetzt.

Vorteile: Sie sind sehr funktionell und haben ein breitgefächertes Anwendungsgebiet.

Nachteile: Der Hauptwirkstoff Ethylenoxid wird als giftig, krebserregend, Erbgut- und fruchtschädigend eingestuft. PEGs machen die Hautbarriere durchlässig (penetrationsfördernde Wirkung) und verhindern die Membranfunktion der Haut. So können andere Problemstoffe, Krankheitserreger und Toxine ganz leicht in unsere Körper gelangen.

Eines der erschreckendsten Beispiele für mich ist die Verwendung von PEGs (Laureth-9) in Babyshampoos. Sie betäuben das Auge kurzzeitig, sodass es nicht zu tränen beginnt, wenn etwas des Shampoos ins Auge kommt. Dies sind dann die vermeintlich guten Shampoos „ohne Tränen“.

Erkennung: Da die Produktgruppe so breit gefächert ist, gibt es viele Möglichkeiten wie zB PEG oder Poly am Anfang des Wortes (Polyglykol, Polyethylen). Auch die Endungen -ETH (Ceteareth-33) ist möglich.

Scharfe Tenside wie SLS, SLES, ALS, SLSA

Was wären die Shampoos oder Duschgels ohne Schaum? Und genau dafür sind Produkte wie Sodium Lauryl Sulfate, Sodium Laureth Sulfate oder Ammonium Lauryl Sulfate zuständig. Sie sind in der Mehrzahl aller Reinigungsmittel im Handel wie Shampoos, Duschgels oder Flüssigkseifen zugesetzt.

Vorteile: Stark schaumbildend und ergiebig.

Nachteile: Es kann immunschädigend, hautreizungsfördernd, wundheilungsverzögernd, zellschädigend und genverändernd sein.

Erkennung: Abkürzungen wie SLS, SLES, ALS (Ammonium Lauryl Sulfat). Im Englischen wird Sodium mit Natrium übersetzt, weshalb die ganzen Kombinationen auch mit Natrium „funktionieren“ – zB Natrium Lauryl Sulfat.

Parabene

Parabene sind starke Biozide und werden als Konservierungstoffe eingesetzt. Allerdings nicht nur in der Kosmetik-Industrie, sondern auch in Lebensmitteln.

Vorteile: Machen Produkte lange haltbar.

Nachteile: Mehrere Studien stellten eine Anreicherung an Parabenen in Brusttumoren fest. Das heisst nicht, dass sie diese verursachen, aber sie reichern sich eben genau dort besonders gerne an. Der Zusammenhang mit Krebs wird derzeit erforscht.

Neuere Daten belegen, dass höhermolekulare Parabene endoktrinaktiv sind und östrogenisierend wirken.

Erkennung: An der Endung -paraben wie zB. Methylparaben, Ethylparaben, Penthylparaben,…

Phthalate

Die Problemstoffe mit dem unaussprechlichen Namen  werden als Weichmacher, Vergällungs- und Lösungsmittel in der Mehrzahl aller Kosmetikprodukte sowie in Kinderspielzeug, Kaugummi, Kleidung, PET oder Kunststoffartikel verwendet.

Vorteile: Machen Produkte weich und formbar.

Nachteile: haben Einfluss auf die Samenqualität bei Männern und die vorzeitige Pubertät bei Mädchen. Sie sind Umwelthormone und giftig für Wasserlebewesen.

Erkennung: Mono-Ethylphthalat, Dibuthylphthalate oder Abkürzungen wie DEHP, PBDE, DEP, DBP

Hormone

Es gibt 150-200 Umwelthormone wie Phthalat-Weichmacher, Diethylphthalat (DEP), Parabene, UV-Filter/Absorber wie zum Beispiel Ethylhexyl, Methoxycinnamate, Benzoephenome-3 oder Hormone wie Bisphenole BPA, Nonylphenole, Phthalate,…..

Auf der Seite der österreichischen Umweltschutzorganisation Global 2000 gibt es eine tolle Übersicht zum Thema Hormone in Kosmetika, auf die ich hier gerne verweisen möchte:

Hormone in Kosmetika – Liste zum Download

So können Sie sich vor hormonell wirksamen Chemikalien schützen

synthetische Stoffe aus dem Labor mit hormoneller Wirksamkeit

Weitere Problemstoffe in der Kosmetik

Es gibt noch weitere Problemstoffe, die ich hier aufgrund ihres Vorkommens in vielen unserer häufig genutzten Produkten, kurz anführen möchte:

Triclosan

Triclosan wird oft statt Aluminiumsalzen verwendet – ein genauer Blick lohnt sich daher bei Deos mit der Aufschrift „Aluminiumsalz-frei“. Denn Triclosan ist ein Desinfektionsmittel, das hormonell wirksam (Schilddrüse) ist, als Umweltgift gilt und die Bakterienresistenz (zB in Krankenhäusern) fördert.

Oxybenzon

Oxybenzon kommt oft in Sonnencremes vor, da es die Lichtempfindlichkeit der Haut hinauf setzt. Man kann also länger in der Sonne bleiben. Es fördert jedoch Allergien und ist hormonaktiv.

EDTA

Ethylendiamintetraessigsäure bzw. Ethylendiamintetraacetat ist ein Konservierungsstoff, der laut Wikipedia in Europa im Jahr 1999 einen Verbrauch von rund 35.000 Tonnen hatte. Es ist ein Komplexbildner, unter anderem mit Schwermetallen, und ist nicht abbaubar.

Fluoride

Fluoride sind in Produkten wie Zahnpasta enthalten und früher wurden sogar Tabletten im Kindergarten verteilt. Manche Länder versetzten ihr Leitungswasser damit. Der Zweck? Die Zähne werden härter und somit weniger kariesanfällig.

Der Nachteil ist jedoch eine signifikante Störung des Glukosestoffwechsel, Beteiligung an der Entstehung von Diabetes. Es steht möglicherweise mit Demenz in Verbindung, da es neurotoxische Veränderungen hervorrufen kann. Fluorid ist ein entwicklungsneurologisches Nervengift und es ist toxisch und sehr reaktiv.

Es reichert sich im Körper an und kann zu Knochenfluorose führen, einer Erhöhung der Anfälligkeit der Knochen für Brüche, denn Fluorid macht die Knochen spröder.

Gute Eigenschaften – doch zu welchem Preis?

Viele der oben genannten Problemstoffe haben durchaus auch positive Eigenschaften, weshalb sie in der Kosmetikindustrie eingesetzt werden – die Frage ist nur zu welchem Preis?

Setzte ich der Zahnpasta Fluorid zu, damit die Zähne stärker und somit weniger anfällig gegen Karies werden und riskiere Diabetes, Demenz, Knochenfluorose oder weitere Krankheiten?

Möchte ich auf viel Schaum beim Haare waschen nicht verzichten und riskiere zellschädigende Wirkungen bis hin zur Genveränderung?

Es gibt so viele tolle Rohstoffe in der Natur, dass wir getrost auf diese Problemstoffe verzichten können. In meiner Ausbildung zur Grünen Kosmetik Pädagogin lerne ich welche Produkte das sind und wie wir sie selbst herstellen können. Ein Beispiel ist die Lippenpflege mit LSF – ganz ohne schädlicher Stoffe!

Grüne Kosmetik
In selbstgemachter Kosmetik weiss man was drinnen ist und hat garantiert keine Problemstoffe!

Einen kleinen Tipp habe ich noch zum Abschluss:

Codecheck.Info – der Übersetzer

Die INCI-Liste zu Lesen ist echt nicht einfach, denn es ist eine Mischung aus Deutsch, Englisch, Latein oder sogar Chemischen Formeln. Noch dazu gibt es keine Vorschrift, wie groß die Inhaltsstoffe geschrieben werden müssen und einige Firmen entscheiden sich für die Schriftgröße 2 Punkt – was kaum lesbar ist.

Die App Codecheck.Info dient als eine Art Übersetzer zwischen INCI-Liste und dem Konsumenten. Es zeigt an, wie viele Stoffe bedenklich sind und welche Stoffe unbedenklich sind.

Dargestellt wird es in einem Kreis, der Vorzugsweise nur Grün sein sollte. Rote Produkte gelten als bedenklich. Die App kannst du dir aufs Smartphone laden oder du schaust direkt online nach: Codecheck.Info

 

Problemstoffe in der Kosmetik – dein Fazit?

Ich weiss, dass war jetzt ganz schön viel, aber es ist einfach ein ganz wichtiges Thema.  Kanntest du die Problemstoffe in der Kosmetik schon? War dir das alles bewusst oder ist einiges neu für dich?

Hinterlass mir doch einen Kommentar – ich freue mich zu hören, wie es dir damit geht!

Alles Liebe,
Jules

PS.: Die nächsten Wochen zeige ich dir hier viele Rezepte, die du selbst machen kannst ohne jeglicher Problemstoffe. Schau doch immer wieder mal vorbei! Viele tolle Rezepte sind aber auch schon online, also schau dich ruhig um! Und trag dich in meinen Newsletter ein, falls du nicht schon eingetragen bist!

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12 thoughts on “So erkennst du Problemstoffe in der Kosmetik!

  1. Das hast du echt klasse zusammen gestellt und erklärt. In dem Dschungel kennt Frau sich manchmal wirklich nicht mehr aus. Zum Glück wird das immer besser in den Köpfen und man achtet mehr darauf und weiß auch worauf man gucken muss.
    Liebe Grüße

    1. Vielen Dank für dein tolles Feedback! ja, Gott sei Dank findet hier echt ein Umdenken statt! Hab einen tollen Tag!

  2. Liebe Jules,
    das ist ganz schön erschreckend! Ich verwende seit Jahren Naturkosmetik und hoffe, dass nichts von diesen Stoffen enthalten ist. Ein noch besserer Weg ist natürlich selber machen. Ich lasse mich mal von dir inspirieren!
    Liebe Grüße, Susanne

    1. Hallo liebe Susanne!
      Ja, das ist echt erschreckend und ich freue mich sehr, wenn ich dich auf deinem Weg zum Selbermachen begleiten oder inspirieren darf!
      Alles Liebe, Julia

  3. Es ist so gruselig… Trotzdem danke für die Übersicht, morgen ist mein Beitrag für Deo online, darf ich dich da bitte verlinken. LG Uli

    1. Es ist echt gruselig, da hast du recht! und klar darfst du mich verlinken, freue mich!

  4. Echt klasse der Artikel! Da sieht man die ganze Chemie mal schön aufgelistet! Dankeschön für den informativen Beitrag!☺

  5. Vielen Dank für den Komentar.
    Es ist erschreckend wieviele Giftstoffe in der Kosmetik enthalten sind.
    Lg Dorothea

  6. Vielen Dank für deinen Beitrag! Das hilft schon wieder ein wenig mehr im Dschungel der Inhaltsstoffe durchzublicken. Die App ist klasse, hab ich gleich ausprobiert.
    LG Jazz

    1. Hallo Jazz,

      freut mich sehr, wenn ich dir etwas Klarheit im INCI-Dschungel vermitteln konnte. Es ist echt schwer!

      Alles Liebe,
      Jules

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